Leverkusens Problem bei der Chancenverwertung zu Hause
Die xG-Werte, die Leverkusen zu Hause produziert, gehören eigentlich zu einer dominanten Mannschaft. Über 22 Heimspiele hinweg kommt das Team im Schnitt auf 1,95 xG pro Partie — ein Wert, der über eine ganze Saison deutlich mehr Siege erwarten ließe als es die Bilanz von 10 Siegen, 7 Unentschieden und 5 Niederlagen vermuten lässt. Nur einmal blieb Leverkusen zu Hause ohne Tor, beim 0:0 gegen Olympiakos in der Champions League im Februar. Das Grundproblem ist also nicht, dass die Mannschaft keine Chancen kreiert.
Das Problem sind jene fünf Abende, an denen die Produktion hoch war, die Dominanz in den zugrunde liegenden Zahlen klar erkennbar war und das Ergebnis, das dieser Spielverlauf verdient hätte, trotzdem ausblieb. Das PSV-Spiel bleibt statistisch das brutalste Beispiel: 1,74 xG zu 0,49 ist nach jedem vernünftigen Maßstab keine enge Partie, und trotzdem glich PSV aus und Leverkusen fand keinen Siegtreffer mehr. Das Bundesliga-Spiel gegen Bayern in dieser Saison war eher nachvollziehbar — 2,61 xG zu 1,29 ist dominant, aber nicht erdrückend, und die Qualität der Bayern macht ein 1:1 weniger absurd als das Ergebnis gegen PSV. Trotzdem hätte Leverkusen nach dem Spielverlauf gewinnen müssen.
Das jüngste Heimspiel fügt noch eine andere Dimension hinzu. Am vergangenen Samstag erzeugte Leverkusen gegen Augsburg 3,36 xG gegenüber 1,33 von Augsburg — ein eigentlich komfortabler Vorsprung — und verlor 1:2. 3,36 erwartete Tore, ein tatsächliches Tor, drei Punkte verloren gegen eine Bundesliga-Mannschaft aus dem Mittelfeld, vier Tage vor einem Pokal-Halbfinale. Das Problem der Heimverwertung dreht sich längst nicht mehr nur um Unentschieden. Es geht inzwischen um Ergebnisse, die der zugrunde liegenden Leistung in beide Richtungen widersprechen, und zwar zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.
Auch die Heimniederlagen sind aufschlussreich. PSG gewann hier 7:2 bei 2,86 xG in einem Spiel, das tatsächlich völlig entglitt. Stuttgart gewann 4:1, auch dort lag xG auf Stuttgarter Seite (2,60 zu 1,95). Hoffenheim siegte im August mit 2:1 bei 0,45 xG gegenüber 0,71 von Leverkusen. Augsburg gewann vergangenes Wochenende mit 1,33 xG trotz 3,36 gegen sich. Die BayArena ist nicht die Festung, die ihr Name oder ihr Ruf vermuten lassen.
Bayern auswärts: Eine Saison in permanenter Bewegung
Bayern München hat in dieser Saison 24 Auswärtsspiele in allen Wettbewerben absolviert. In jedem einzelnen davon hat die Mannschaft getroffen. Nicht in 23. Nicht in 22. In allen 24. Mit 3,2 Toren pro Auswärtsspiel — 77 Treffer in 24 Partien — liefert Bayern in der Fremde eine offensive Produktion, die in Europa in dieser Saison kaum ein Pendant hat.
Die xG-Geschichte macht das noch interessanter. Bayerns Auswärts-xG liegt bei 2,27 pro Spiel — bereits ein hervorragender Wert —, aber die tatsächlichen 3,2 Tore pro Partie bedeuten eine Überperformance von fast 20 Toren über die gesamte Saison. Sie kreieren also nicht nur genug Chancen, um diese Zahlen zu rechtfertigen. Sie verwerten sie auch mit einer Effizienz, die über die reine Qualität der Chancen hinausgeht. Die einzige Auswärtsniederlage dieser Saison gab es im November bei Arsenal, als Bayern nur 0,65 xG erzeugte, Arsenal aber auf 3,11 kam — ein Spiel, in dem die Münchner tatsächlich klar und umfassend unterlegen waren. Jede andere Auswärtspartie endete mindestens mit einem Punktgewinn.
Die Auswärtsbilanz im DFB-Pokal fügt noch eine weitere Ebene hinzu: drei Spiele, drei Siege, gegen Union Berlin 3:2, gegen Köln 4:1 und gegen Wehen 3:2. Die Spiele gegen Wehen und Union waren nicht souverän — drei Gegentore zusammen —, aber Bayern traf in beiden und kam weiter. Das Muster, in Pokal-Auswärtsspielen zu treffen, passt vollkommen zu allem anderen in den Daten.
Wenn Bayern auswärts einmal auf niedrigerem xG-Niveau agiert — etwa in Köln im Januar, als man nur 1,31 xG produzierte —, gewann die Mannschaft trotzdem 3:1. Als Bayern im März hier in der Bundesliga nur auf 1,29 xG kam, während Leverkusen 2,61 erzeugte, reichte es immer noch zum Unentschieden. Die Decke hängt je nach Gegner und Anlass unterschiedlich hoch. Der Boden — also das Toreschießen — scheint dagegen fest einzementiert.
Die Spannung des K.-o.-Spiels
Das Bundesliga-Spiel in der BayArena im März sagt beiden Teams etwas über heute Abend. Leverkusen dominierte diese Partie bei den Expected Goals, erzeugte fast doppelt so viel xG wie Bayern und nahm am Ende nur einen Punkt mit. Im Kontext einer Ligasaison waren das zwei verlorene Punkte nach einer dominanten Leistung. Im Kontext eines Pokal-Halbfinals ist ein Heim-1:1, das Leverkusen wahrscheinlich mit zwei Toren Vorsprung hätte gewinnen müssen, eine ganz andere Art von Problem — nur dass es hier kein Hinspiel gibt. Es ist nur dieses eine Spiel.
Leverkusens Heim-Remisquote — sieben Unentschieden aus 22 Heimspielen — macht die Mannschaft nicht gerade zu einem Team, das K.-o.-Spiele in der regulären Spielzeit zuverlässig zu Ende bringt. Die Umwandlung dominanter Spielverläufe in Siege war über die gesamte Saison hinweg unsicher. Bayerns Unerbittlichkeit vor dem Tor in Auswärtsspielen bedeutet, dass das Spiel jedes Mal wirklich gefährlich bleibt, wenn Leverkusen es verpasst, selbst in Führung zu gehen. Gegen PSV stand am Ende trotz 1,74 xG Vorsprung nur ein Remis. Gegen Bayern in einem Pokalspiel ist der Fehlerspielraum noch kleiner.
Das Ungewöhnliche an dieser Partie ist nicht, dass sie ausgeglichen ist — jedes Bundesliga-Halbfinale zwischen diesen beiden Seiten ist ausgeglichen —, sondern dass Leverkusens konkrete Schwäche (zu Hause Dominanz nicht in Siege umzusetzen) auf Bayerns konkrete Stärke (auswärts nie ohne Tor zu bleiben) in einem Format trifft, in dem das Unentschieden, das Leverkusen in dieser Saison schon fünfmal gerettet hat, nicht Sicherheitsnetz, sondern Auslöser für weitere Spielzeit wird. Bayern hat in dieser Saison bereits 32 zusätzliche Minuten überstanden, in denen Leverkusen einen Siegtreffer gebraucht hätte. Beide Teams wissen ganz genau, wie diese Version des Duells im März endete.
Tipp: Bayern. Ihre Auswärts-Torquote ist die verlässlichste Einzelstatistik dieser Partie, und Leverkusens Fähigkeit, Heimdominanz in klare Ergebnisse umzuwandeln, war die unzuverlässigste.
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